Geschichte des MOZ

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Geschichte und Architektur des MOZ

Der Vorläufer des MOZ - Die Maxschule

Im östlichen Winkel des mittelalterlichen Stadtgrundrisses, der »Bischofsmütze«, befindet sich der Hof zum Katzenwicker, einer der größten Domherrenhöfe.

Unter Friedrich I. (Barbarossa) dient der Hof als Kaiserpfalz.

 

Auf diesem Gelände entsteht 1856-58 die Maxschule, eine mächtige, reich durchfensterte Hufeisenanlage. Der Innenhof erinnert an den Ehrenhof einer barocken Schlossanlage. Obwohl die Fassaden der Maxschule den Zweiten Weltkrieg überdauern, entscheidet man sich gegen den Wiederaufbau und wendet sich bewusst der Moderne zu.

 

Die Mozartschule wird zwischen 1955 und 1957 vom damaligen Stadtbaurat Rudolf Schlick errichtet.

 

Modell des MOZ
Höhenstaffelung des MOZ
Eingangshof an der Hofstr.
Haupteingang des MOZ
Gartenparterre mit Blick auf die Residenz

Rudolf Schlick entwirft eine mehrflügelige Anlage, die asymmetrisch gegliedert ist. Große Binnenhöfe, lockere Durchgrünung und neue freie Grundrissfiguren zeichnen das Entwurfskonzept aus.

 

 

 

Der Grundriss ist zweigeteilt: Im Süden (in der Abbildung rechts) an der Hofstraße befindet sich eine niedrigere Dreiflügelanlage.

Nördlich davon verbinden sich windmühlenartig drei höhere Flügel, in denen die Klassenräume untergebracht sind.

 

Sorgfältige Höhenstaffelung und die Vermeidung starrer Winkel bringen eine Leichtigkeit der Architektur hervor. Die vielen zu Bändern gereihten Fenster der Klassenräume und die prägnanten Kanten der flachen Walmdächer tragen zum klaren linearen Gesamteindruck bei.

 

 

Der höher gelegene Eingangshof an der Hofstraße wirkt wie eine moderne Paraphrase des barocken Ehrenhofs und scheint damit auf das benachbarte Weltkulturerbe der Residenz unmittelbar Bezug zu nehmen. Die Aula im ersten Obergeschoss ist mit den großen Fensterwänden sehr filigran gestaltet – heute sind die Fenster durch die nachträglich angebrachten Jalousien verunklärt.

 

 

Wie ein Nierentisch in Grün öffnet sich vor dem Haupteingang an der Maxstraße der raumhaltige, ehemals gärtnerisch gestaltete Vorplatz. Zwischen Büschen und Blumen bereicherte früher ein ebenfalls nierenförmiges Wasserbecken mit dem schöpfenden Mädchen von Franz Martin die angenehm einladende Eingangssituation.

 

 

Das Foto links dokumentiert Rudolf Schlicks Anliegen, über Sichtverbindungen die historische Stadt überall im Neubau präsent werden zu lassen. Die Sichtbeziehung zur Residenz über Hof, Freitreppe und Gartenparterre hinweg war früher aus vielen Klassenzimmern wahrnehmbar.

 

 

 

Die Klassenzimmer sind zum Pausenhof orientiert und bieten Ruhe und Konzentration für den Unterricht.

 

 

 

 

 

 

 

Hell und lichtdurchflutet durch zweiseitige Befensterung – der Musiksaal.

 

 

 

 

 

Historische Sichtbeziehungen auch im großen Treppenhaus: Die großzügige Durchfensterung der Wand ermöglichte ehemals den freien Blick auf die Residenz.

Das Wandbild zeigt Leo Flachs Werk »Würzburg«, davor lädt eine Sitzgruppe zum Verweilen ein.

 

 

 

 

Ein großzügiges Treppenhaus verbindet die drei windmühlenartigen Schultrakte miteinander. Mit jeweils weiten lichtdurchfluteten Vorplätzen führt es zweiläufig durch alle Geschosse. Auf den Zwischenpodesten befindet sich der vierteilige Zyklus »Die Schöpfung«, ein gebäudebeherrschendes Wandbild in Enkaustiktechnik von Ludwig Martin.

 

 

Ganz anders die zweite Treppe der Mozartschule: Die schwingende Treppe im Aulabau an der Hofstraße besticht in ihrer Eleganz und Leichtigkeit. Die Treppengeländer wirken hier heiterer und zugleich festlicher als die strengen Stäbe im großen Treppenhaus.

 

 

Klassenzimmer im MOZ
Musiksaal im MOZ
Karte Würzburg von Leo Flach
Treppe im Aulabau
Aula der Mozartschule
Ballspielende und musizierene Mädchen - von Curd Lessig
Menschenwelt von Ludwig Martin
Ritztechnik von Oskar Martin-Amorbach

Der harmonisch proportionierte Aulasaal ist von beiden Seiten durch die großen, fein gegliederten Fensterwände lichtdurchflutet, verjüngt sich zur Bühne hin und fällt leicht ab. Die blaue Decke erinnert durch die verschieden großen runden Lichtöffnungen an einen Sternenhimmel.

 

Als letzter intakter Innenraum der 50er Jahre in Würzburg vermittelt der Saal noch heute den Aufbruchsgeist in der zerstörten Stadt. Die Aula wird derzeit als Veranstaltungssaal des Programmkinos »Central« genutzt.

 

 

Viele kennen vom Vorübergehen die heitere Putzintarsie an der Hofstraße. Sie zeigt »Ballspielende und musizierende Mädchen« von Curd Lessig. Durch die robuste Sgraffitotechnik ist das Wandbild auch nach über 50 Jahren noch sehr gut erhalten.

 

 

 

 

 

Über alle vier Geschosse des großen Treppenhauses erstreckt sich Ludwig Martins Wandbildzyklus »Die Schöpfung« in Enkaustik-Technik.

 

 

 

 

 

 

Die Eingangswand der Aula ziert ein großformatiges monochromes Wandbild in einer speziellen Ritztechnik. Es verdeutlicht den Werdegang westlicher Kunst, Kultur und Wissenschaft von der Antike bis zur Gegenwart.

 

 

Im großen Treppenhaus gestalteten Würzburger Grafiker die vier Landkarten »Würzburg«, »Franken«, »Bayern« und »Deutschland«.

 

 

 

 

Im Kellerflur finden sich vier farbige Glasfenster mit religiöser Thematik im Wechsel mit getönten Fenstern mit geometrisierenden Formen. Der Künstler Willy Wolf schuf beeindruckende Zeugnisse einer expressiven Formensprache.

 

 

 

 

In der Mozartschule findet man auch heute noch viele zeittypische und qualitätvolle Einzelheiten wie Treppengeländer, Türgriffe, Einbauschränke, Vitrinen, Bodenbeläge und Schriftzüge.

 

Sie sprechen ihre eigene Sprache und sind überaus typisch für die Architektur der 1950er Jahre.

 

Die Geschichte des MOZ - zum Herunterladen als pdf

 

 

Die Texte und Bilder wurden freundlicherweise von der Heiner-Reitberger-Stiftung zur Verfügung gestellt. Sie entstammen aus der Broschüre:

Dr. Suse Schmuck: Die Mozartschule. Hefte für Würzburg, Heft 1, 3 überarbeitete und erweiterte Auflage, Heiner Reitberger Stiftung, Würzburg 2012.

Landkarte Bayern im Treppenhaus
Fenster von W. Wolf
Formensprache im MOZ